Vegetarische/Vegane Ernährung

Gemüse ist mein Fleisch!

Schon vor Corona gab es immer wieder Seuchen, welche unsere Gesundheit bedrohten.
Unter anderem die Rinderkrankheit BSE.

Wie aus einer Schocksekunde eine Lebensphilosophie wurde

Das Jahr 2020 wird überschattet von der Corona-Pandemie und wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Vor 20 Jahren beunruhigt eine andere Seuche ganz Europa: Die Rinderkrankheit BSE. Sie führt zu tödlichen Hirnschäden und kann sich auf den Menschen übertragen. 1986 taucht BSE das erste Mal bei einem Rind in England auf. Kurze Zeit später breitet sich die Tierseuche in England und auf dem europäischen Festland aus. Schon nach kurzer Zeit geriet BSE wieder in Vergessenheit. Bis 1996 in England plötzlich zehn junge Menschen sterben, die an einer seltsamen Erkrankung des Gehirns leiden. Nach Jahren der Verharmlosung informiert Gesundheitsminister Steven Dorrel das Londoner Unterhaus, dass die Gehirnkrankheit bei den jungen Menschen wahrscheinlich durch Infektion mit BSE-Rindfleisch vor 1989 zustande gekommen ist. Die Gehirnveränderungen der Opfer ähneln der bereits 1920 beschriebenen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Harmlose Prione (Eiweiße) verwandeln sich in gefährliche Eiweiße. Es wird angenommen, dass Erreger über verseuchte Rinderprodukte zunächst in den menschlichen Darmtrakt wandern, von dort in das Blut gelangen und schließlich ins Rückenmark. Langsam, über Jahre hinweg, wandert die Infektion ins Gehirn. Dort treffen die Erreger auf gesunde menschliche Prionen, verändern deren chemische Struktur und wandeln sie in die krankhafte Form um. Dadurch entstehen winzig kleine Eiweißklümpchen. Sie lagern sich auf den Gehirnzellen ab und töten sie. Aufgeschreckt von den neuen Erkenntnissen beschließen die europäischen Minister 1996 ein Importverbot für britische Rinder. 

Mir fiel vor Schreck der Löffel aus der Hand!

Als diese Meldung in den Nachrichten gesendet wurde, aßen wir gerade zu Abend. Es gab eines unserer Lieblingsrichte: Eine Käse-Lauch-Suppe mit Rinderhack. Mir fiel vor Schreck der Löffel aus der Hand. Ich konnte die Suppe nicht aufessen. Von diesem Moment an habe ich nie wieder Fleisch angerührt. Das ist jetzt über 20 Jahre her und ich habe es keinen Tag vermisst. Ganz im Gegenteil: Ich fühle mich großartig, habe keine Gewichtsprobleme und keine gesundheitlichen Beschwerden, die mit hohem Fleischkonsum häufig einhergehen. Außerdem leiste ich damit meinen Beitrag zum Umweltschutz.

Eine pflanzenbasierte Ernährungsweise ist der effektivste Umweltschutz

Denn die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch verursacht im Schnitt mehr als 15 Kilogramm Treibhausgas-Emissionen, bei Obst oder Gemüse sind es laut Umweltbundesamt weniger als ein Kilogramm. Doch mit weniger Fleisch essen alleine ist es nicht getan. Entscheidend ist die Reduzierung tierischer Lebensmittel insgesamt. Denn auch Milchprodukte, insbesondere Butter oder Käse, sorgen wegen der Rinderhaltung für hohe Treibhausgas-Emissionen. Da mir der Umweltschutz im laufe der Jahre immer wichtiger geworden ist und die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzlichen Ernährung schon länger bekannt sind, bin ich inzwischen auf eine vegane Ernährung umgestiegen.

Aktuelle Studie belegt: Vegane Ernährungsweise ist der effektivste Umweltschutz

Nur etwa 18 % der Kalorien nehmen Menschen aus tierischen Produkten auf. Für deren Herstellung werden jedoch 83 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche beansprucht. Zu diesen Zahlen kam eine aktuelle Studie, die von der Universität in Oxford durchgeführt wurde. Es ist die bisher umfassendste Untersuchung zu dieser Thematik.

Das Ergebnis der Studie: Der Verzicht auf tierische Produkte stellt den effektivsten Beitrag für den Umweltschutz dar und bringt mehr als auf Auto oder Flugreisen zu verzichten.

Besonders deutlich wird das an folgenden Zahlen: Würden wir aufhören, Fleisch und Milch zu essen, könnte die landwirtschaftliche Nutzfläche um 75 % reduziert werden und 60 % der landwirtschaftlichen Treibhausgase vermieden werden. Eine Fläche so groß wie die USA, China, die EU und Australien würde frei werden. Außerdem könnten sich zum einen die Regenwälder erholen und zum anderen die Zahl bedrohter Tierarten verringern. Dies hätte einen enormen positiven Einfluss auf den Umweltschutz. Bisher bleibt für wilde Tiere nur wenig Platz, denn Menschen und Nutztiere machen 96 % der Säugetiere auf der Erde aus. Die Studie zeigt auch, dass selbst die umweltfreundlichste Produktionsweise tierischer Produkte einer umweltschädlich produzierten pflanzlichen Alternative deutlich unterlegen ist.

Unsere derzeitige Ernährungsweise richtet die Welt zugrunde

Derzeit leben rund 7, 5 Milliarden Menschen auf der Erde. Ernähren können wir diese mit unseren heutigen Ernährungsgewohnheiten und landwirtschaftlichen Anbaumethoden nur zu Lasten unserer Böden, Wälder und Meere. Klimawandel, Versäuerung der Böden, Artensterben und Wasserverschmutzung sprechen für sich. Die Prognosen bieten wenig Anlass zur Hoffnung: Bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf 10 Milliarden Menschen wachsen und die Fleischproduktion um 85 % steigen. Der Schutz der Meere, die nachhaltige Nutzung der Böden sowie die Bekämpfung von Armut und Hunger sind unter diesen Umständen nur zu erreichen, wenn wir unsere Lebensweise nicht drastisch ändern. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass unsere Ernährungsweise mehr als eine persönliche Angelegenheit ist. Zu groß sind die negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt. Es ist höchste Zeit, dass ein Umdenken in der Politik sowie bei Verbrauchern und Produzenten stattfindet.

Wie kann ich die negativen Auswirkungen meiner Ernährung auf die Umwelt verringern?

Die einfachste und effektivste Form, um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, ist tierische Produkte vom Speiseplan zu streichen oder zumindest zu reduzieren. Neben der Umwelt würde so auch unsere Gesundheit profitieren. Das Angebot an pflanzlichen Lebensmitteln war noch nie so vielfältig wie heute. Für fast alle tierischen Produkte gibt es pflanzliche Alternativen. Auf Gewohnheiten und Lieblingsrezepte müsste man nicht verzichten. Dennoch ist der Verzehr von Fleisch nahezu unverändert hoch. Seit 2011 ist er lediglich um sechs Prozent gesunken. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Produktion tierischer Lebensmittel durch die Massentierhaltung immer billiger wird. Eine pflanzliche Ernährungsweise wäre nicht nur besser für unsere Umwelt und Gesundheit, sondern würde auch den Tieren unsägliches Leid ersparen.

Was kann ich konkret tun?

  1. Reduziere deinen Fleischkonsum
  2. Ersetze Milch und Joghurt durch pflanzliche Alternativen
  3. Meide Eier
  4. Kaufe regional
  5. Verzichte auf Plastikverpackungen

Tipp:

Wenn du dich auch für eine vegane Ernährung interessierst und mehr darüber wissen möchtest, dann schau dir meinen Beitrag „Die 14 Regeln einer gesunden veganen Ernährung“ an. Die wertvollen Tipps helfen dir dabei, eine vegane Ernährung gesund, lecker und abwechslungsreich umzusetzen. 

Quelle:
J. Poore, T. Nemecek. Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science 2018; 360(6392):987-992

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